Was Chelsea hilft, kann auch beim ASC nicht schadenHauptsponsor des Landesliga-Aufsteigers will „gedanklich neue Wege gehen“ |
|
|
Der Jubel war gewaltig: Nach mehreren Anläufen hat es endlich geklappt mit dem Aufstieg des ASC Nienburg in die Fußball-Landesliga. Verdient haben es die Mußriede-Kicker nach einer über weite Strecken glanzvollen Saison ohne Frage. Dass es diesmal aber wirklich geklappt hat, haben die Nienburger in letzter Konsequenz nicht ihrem souveränen Spiel, sondern einer gehörigen Portion Glück im Relegations-Wirrwarr um die Landesliga zu verdanken. Damit will sich Frauke Schacht, Geschäftsführerin des Hauptsponsors Taurus target, nicht zufrieden geben: „Der Club hat es nicht verdient, am Ende vom Glück abhängig zu sein.“ „Der ASC ist ein schlafender Riese!“ Drei Jahre alt ist diese selbstbewusste Einschätzung von ASC-Pressemann Tom Hesse, und schon damals stand die Mußriede-Elf mit einem Fuß in der höheren Liga. An das Potenzial des Nienburger Fußball-Flaggschiffs glaubt auch Frauke Schacht: „Trainer Omar Preljevic hat aus talentierten Einzelkämpfern eine echte Mannschaft gemacht.“ Auffällig aber: Nach einer regelmäßig guten und zumindest zeitweise auch eindeutig höherklassigen Leistung kam das Team gegen Ende einer Spielzeit stets ins Straucheln. Geradezu symptomatisch die jüngste Saison: Die Meisterschaft wurde mit satten zehn Punkten Vorsprung eingefahren. Im entscheidenden Relegationsspiel verschenkten die Nienburger aber den Aufstieg aus eigener Kraft. Reaktionen vom Spielfeldrand: „Pech“, „verletzungsbedingt zu dünner Kader“, „Unvermögen“. „Das ist nicht einfach Pech“, ist Frauke Schacht überzeugt. „Jeder Einzelne und die Mannschaft als Ganzes bieten hochkarätigen Fußball und haben das Potenzial für die Landesliga, und das nicht erst seit dieser Saison. Dass der ASC sich so schwer tut, sein Können voll zu entfalten, muss andere Gründe haben“, meint Schacht. „Man sollte gedanklich vielleicht neue Wege gehen.“ Was sie damit meint, machte die Hauptsponsorin in einem zunächst unter vier Augen geführten Gespräch mit Trainer Preljevic deutlich: „Die meisten Bundesliga-Clubs und so gut wie jede international agierende Mannschaft arbeiten mit einem Mental-Coach. Was Chelsea nutzt, wird dem ASC nicht schaden“, formulierte sie. Ihr Unternehmen verfüge im Bereich Coaching über Erfahrungen und Kontakte; „da stehen wir dem ASC gern auch konkret zur Seite, wenn das gewollt ist!“ Der Gedanke an einen Mental-Coach mutet im Lokalsport eher exotisch an. Doch Frauke Schacht schiebt Bedenken der Kategorie „neumodischer Quatsch“ energisch beiseite: „Die Akteure sind technisch, spielerisch und im Mannschaftsgefüge gut, da gibt es nichts zu deuteln. Man holt den Titel nicht ,aus Versehen‘ mit zehn Punkten Vorsprung. Wenn es im Abschluss dann immer wieder diese Probleme gibt, liegt der Gedanke nahe, dass diese Schwierigkeiten ihre Ursache jenseits von Können und Kondition haben.“ Sport, meint Schacht, sei eben nicht nur eine Frage des Körpers: „Da geht auch viel über den Kopf.“ Dass seine Elf die regelmäßigen Hängepartien gegen Ende einer Saison nicht verdient und nicht nötig hätte, das empfindet auch Omer Preljevic so. Und die Idee, vielleicht einmal einen Mental-Coach zu Rate zu ziehen, um ungenutztes Potenzial freizulegen, findet der Trainer zwar ungewöhnlich, aber interessant – auch, weil er nach dem Aufstieg offenbar den konstruktiven Umgang mit der Leistung der Mannschaft vermisst: „Anstatt sich mit uns zu freuen, zielen viele jetzt nur auf – echte oder vermeintliche - Schwächen ab. Solche Kritik geht auch an den Spielern nicht spurlos vorbei.“ |
|