Nienburg hat wieder einen Nachtwächter

Unterhaltsame Reise durch die bewegte Stadtgeschichte

Nienburg. Die „gute alte Zeit“ war so „gut“ sicher nicht – aber spannend war sie allemal. Davon kann man sich in Nienburg überzeugen: „Hannes Negenborch“ lädt Auswärtige wie Einheimische zu Nachtwächter-Touren durch die historische Altstadt ein.

Geschichte muss nicht staubtrocken daher kommen – sie kann, dachte man sich in Nienburg, durchaus den Anspruch erfüllen, einerseits historisch korrekt, andererseits aber auch unterhaltsam zu sein. Dem Nienburger Nachtwächter „Hannes Negenborch“, verkörpert von dem ehemaligen Tageszeitungsredakteur Jürgen Heckmann, gelingt diese Gradwanderung offenbar recht gut. „Hannes Negenborch“ schildert die Geschichten um Tilly und den Deutschen Michel, vom Nienburger Gängesystem und den Grafen von Hoya so lebendig, als wäre er dabei gewesen. Etliche Nienburger Gastronomen ließen sich von den abendlichen Führungen animieren und bereichern die Runden des „Nachtwächters“ inzwischen mit – ungeplanten – Ergänzungen: So kann es an einem Gasthaus, serviert von hübschen Maiden, eine Runde Schnaps aus dem Zinnkrug geben, während an anderer Stelle der Wirt höchst selbst mit einem dicken Laib Brot erscheint und Schmalzstullen verteilt. Das kommt nicht nur bei Einheimischen gut an: Insbesondere Firmen buchen „Hannes“ für auswärtige Gäste.

Unterstützt wird der Nienburger Nachtwächter von der Stadt Nienburg und der Mittelweser-Touristik GmbH. Deren Geschäftsführer Martin Fahrland ist vom Erfolg dieses neuen touristischen Angebots überzeugt: „Ein historisches ,Gewand’ ist wichtig. Noch wichtiger ist aber jemand, der sich in der Stadtgeschichte auskennt und die auch lebendig rüberbringen kann.“ Von daher freue er sich besonders, dass mit Jürgen Heckmann ein ausgewiesener Kenner lokaler Geschichte für die Figur des „Hannes“ gewonnen wurde. „Wir haben im vergangenen Jahr 220 Führungen mit rund 3700 Gästen gehabt – ohne Nachtwächter“, sagt der Tourismus-Fachmann. „Das lässt sich mit Nachtwächter sicher weiter ausbauen, zumal gerade auch die Gastronomie davon profitieren kann.“

Quelle Blickpunkt vom 24.01.2007